Basteln neben Sirenen: Das Jöhstadt PA203, auch Lenzpumpe

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hoffendlichS3
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Basteln neben Sirenen: Das Jöhstadt PA203, auch Lenzpumpe

Beitrag von hoffendlichS3 » Donnerstag 27. November 2014, 21:25

Moin Leute!

Da ich ja Wasserführende DDR Feuerwehrgeräte sammel habe ich mir kürzlich eine höchst seltene Pumpe über ebay zugelegt: Ein PA203.
Dies ist ein als Lenzpumpe bezeichnetes Pumpenaggregat,

Angetrieben durch einen 2-Zylinder 2-Takt-Ottomotor mit 28 PS leistet das gute Stück bei 3000 U/min eine Fördermenge von 2000L/min bei 3bar.
Ausgesstattet ist der Motor mit einem 30mm flachstrom-Drosselklappenvergaser und einer indirekten Motorkühlung.
Das Ansaugen der Pumpe erfolgt über einen Gasstrahler. Das Treibgas für diesen wird beim Ansaugen von dem erstem Zylinder bereit gestellt,
dieser arbeitet beim Ansaugen ohne Zündung als Verdichter, der Antrieb erfolgt dort dann nur über den 2. Zylinder

Ursprünglich war die Pumpe nach Berichten bei der Bahn eingesetzt, dort sollte sie vor Jahren verschrottet werden und wurde vom jetzigem
ebay-Verkäufer gerettet. Das ist auch gut so, denn weder an den Kolben noch an den Zylindern sind irgendwelche Laufspuren zu sehen.
Man möchte meinen der Motor ist noch nie Gelaufen.

Nun wird die Gute natürlich erstmal komplett restauriert.
Und ich dachte, da stelle ich hier mal ein paar Bilder online, damit ihr da dran teilhaben könnt, und euch vielleicht auch Ideen holen könnt,
wenn ich mal eine Restauration abseits der Sirenen plant.

Im Folgenden werde ich pro Baugruppe einen Beitrag schreiben dann bleibt es übersichtlich :-)
Zuletzt geändert von hoffendlichS3 am Donnerstag 4. Dezember 2014, 11:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Zerlegen der Pumpe

Beitrag von hoffendlichS3 » Donnerstag 27. November 2014, 21:27

So erstmal wollte das gute Aggregat zerlegt werden.
Dateianhänge
20141122_174249 (Kopie).jpg
So sah sie noch im ganzem aus
20141122_174342 (Kopie).jpg
Tank und Vergaser schon demontiert
20141122_181209 (Kopie).jpg
Gasstrahler und Ansaugleitung Demontiert
20141122_181222 (Kopie).jpg
Kühlwasserleitungen demontiert
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Vergaser und Luftfilter überholen

Beitrag von hoffendlichS3 » Donnerstag 27. November 2014, 21:31

So dann habe ich den Luftfilter gesäubert und neu Lackiert.

Ebenso den Vergaser komplett zerlegt und gereinigt. Davon habe ich jetzt keine bilder, aber ich habe eins des fertigen Vergasers mit angehängt ;-)
Dateianhänge
20141123_142328 (Kopie).jpg
Luftfilter alt 1
20141123_142332 (Kopie).jpg
Luftfilter alt 2
20141123_142908 (Kopie).jpg
Luftfilter gebürstet
20141123_143423 (Kopie).jpg
Luftfilter grundiert
20141123_155101 (Kopie).jpg
Luftfilter fertig gelackt
20141123_154204 (Kopie).jpg
Vergaser gesäubert und eingestellt
20141123_173337 (Kopie).jpg
Vergaser und Luftfilter wieder montiert
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Gasstrahler gangbar machen und überholen

Beitrag von hoffendlichS3 » Donnerstag 27. November 2014, 21:40

So dann kam der Gasstrahler dran.

Der Ventilkegel musste gängig gemacht werden, was zum klück nur an dem altem Fett lag.
Dann habe ich die Hebelbeschriftung noch sauber gemacht, das Alu-silber gefällt mir besser.

Zu der Ansaugvorrichtung gehört noch eine Klappe im Auspuff, die beim Ansaugen den Auspuff verschließt.
Denn das in dem Moment "Treibgas" muss ja durch den Gasstrahler und nicht am Auspuff raus.

Der Gasstrahler ist in diesem Fall ein doppeltes Ventil, eben der Kegel.
Ein Kanal wird abgesperrt zwischen dem erstem Zylinder und der Treibdüse.
Der Andere Kanal zwischen Saugraum im Gasstrahler und dem Saugstutzen der Pumpe.

Des weiteren wird hier auch die Zündung des ersten Zylinders beim Ansaugen kurzgeschlossen.
Dateianhänge
20141123_134435 (Kopie).jpg
Ausgebauter Ventilkegel
20141123_134236 (Kopie).jpg
Das sind die Einzelteile der Betätigung.
Die Feder spannt den Kegel vor.
20141123_135455 (Kopie).jpg
Die alte Dichtung abkratzen... Na wer erkennt das Material? ;-)
20141123_135625 (Kopie).jpg
Dichtfläche sauber und Gasstrahler zusammen gebaut
20141123_173346 (Kopie).jpg
So gasstrahler montiert, der Vergaser ist hier auch noch einmal zu sehen
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Kühlwasser-Kontrollventil

Beitrag von hoffendlichS3 » Donnerstag 27. November 2014, 21:47

So dann war da noch das kühlwasserkontrollventil, was da rum lag.

Dies ist eingebaut in den Rücklauf der Külschlange zum Saugstutzen.
Hier soll im Berieb regelmäßig kontrolliert werden, ob Kühlwasser auch ausreichend fließt.
Hierzu wird das Ventil einfach betätigt und gesehen ob genug Wasser nach aussen läuft.
Der Aufbau ist einfach, es ist ein einfaches Kegelventil, das als Umschaltventil fungiert.

Eine Dichtung musste ich noch anfertigen, diese ist einfach aus Tonkarton.
Diesen habe ich einfach aufgelegt und mit der Rückseite eines Schraubenschlüsseln an den Kanten entlang ausgeklopft.
So mache ich mir spezielle Dichtungen immer, die sind dann super passgenau und kosten eigendlich nichts.

So bis dato waren das abgesehen von der Demontage die Arbeiten eines Sonntags, inklusive der Montage.
Dateianhänge
20141123_140503 (Kopie).jpg
Kühlwasserventil zerlegt
20141123_140249 (Kopie).jpg
Kühlwasserventil zusammen gebaut
20141123_141855 (Kopie).jpg
Dichtung 1
20141123_142012 (Kopie).jpg
Dichtung 2
20141123_142031 (Kopie).jpg
Dichtung fertig :-)
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Re: Basteln neben Sirenen: Das PA203

Beitrag von hoffendlichS3 » Donnerstag 27. November 2014, 22:03

So die letzen beiden Tage standen dann im Zeichen der Kühlwasserleitungen.
Diese sind original aus Stahl, bei meiner T83/ habe ich diese allerdings auch aus Kupfer nachgefertigt.

Damit die Rohre nicht knicken, verlöte ich ein Ende, fülle es mit Vogelsand, verdichte das gut und löte das andere Ende auch zu.

Dann suche ich mir eine Radienschablone, die bei mir in der Regel eine Riemenscheibe ist, die ich nutze um die Radien gleichmäßig
zu biegen. So kann ich auch super bestimmen wo die Biegung beginnt und somit auch, wo sie sein muss.

Um das rohr aber überhaupt mit der hand vernünftig biegen zu können, glühe ich das Rohr mit dem Lötbrenner an den stellen, die
gebogen werden sollen vorher aus. Dann aber nicht abschrecken sondern abkühlen lasse, und die letzte Wärme mit dem Lappen herausholen.

Danach lassen sich die Rohre super um die Riemenscheibe Biegen.

Die Flansche sind die originalen, diese sind mit Silber-Hartlot an die Rohre gelötet.
Anschließend habe ich die Flansche noch Grundiert und Lackiert.
Dateianhänge
IMG_0119 (Kopie).JPG
Rohr gefüllt und verschlossen
IMG_0121 (Kopie).JPG
Ausgeglüht und beim Biegen
IMG_0122 (Kopie).JPG
Gebogen, mal sehen..... Passt!
IMG_0123 (Kopie).JPG
Aufschneiden, Sand raus fertig
20141126_165017 (Kopie).jpg
Eine Biegung über 90°... Da muss man tricksen....
IMG_0132 (Kopie).JPG
Alte Leitung als Muster anhalten
IMG_0140 (Kopie).JPG
Vorbereitung zum löten
IMG_0142 (Kopie).JPG
Gelötet...
IMG_0143 (Kopie).JPG
Flansche abgeklebt und Grundiert
IMG_0145 (Kopie).JPG
So alle Leitungen Fertig gebogen und die Flansche lackiert. hier im Vergleich mit den alten
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Re: Basteln neben Sirenen: Das PA203

Beitrag von Niklas » Freitag 28. November 2014, 11:57

Wer erkennt das Material
Asbest!

Ansonsten: schönes Projekt, aber mit 3bar wohl eher nur für Förderzwecke bzw. als Streckenpumpe. Naja, "Lenzpumpe" halt ;)
Vor allem deine Rohrbögen sind ganz feines Handwerk.

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Re: Basteln neben Sirenen: Das PA203

Beitrag von HaumeiFranzP » Freitag 28. November 2014, 17:22

Jep, saubere Arbeit, Du hast wirklich goldene Hände!

Zum Material, da war doch was Rötliches bei?! Ich habe Kautasit vermutet. Haben wir in der Lehre jede Menge Dichtungen draus geschnitten ;-)
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Re: Basteln neben Sirenen: Das PA203

Beitrag von hoffendlichS3 » Freitag 28. November 2014, 17:29

Möglich dass das rote Zeug Kautasit heißt, aber soweit ich weis ist das Dichtmaterial mit Asbestanteilen... ;-)
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Re: Basteln neben Sirenen: Das PA203

Beitrag von Niklas » Freitag 28. November 2014, 17:44

Na dann hoffe ich mal, dass du das Zeug beim Entfernen feucht benetzt und 'n Schnuddel auf der Nase getragen hast.
Nicht, dass hier einer künstlich sein Mindeshaltbarkeitsdatum runterschraubt...

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Re: Basteln neben Sirenen: Das PA203

Beitrag von HaumeiFranzP » Freitag 28. November 2014, 17:46

Hat er bestimmt ;-)

Kann sein, bei uns war zwar bekannt, dass Asbest Krebs erzeugen kann, aber wir hatten das Zeug trotzdem noch im Handel und mein Vater hat es sogar mit der Handkurbelbohrmaschine gebohrt und ich hab gehalten, nebenbei auch schön den Rüssel in den Staub :-/ Abwarten, Hopfenblütentee konsumieren. Hätte in der Zwischenzeit (gut 30 Jahre) aber sicher schon gewirkt.

Die Firma gibts heute noch: http://www.kautasit.de/pages/de/home.php, aber sicher mittlerweile asbestfrei ;-)
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Re: Basteln neben Sirenen: Das PA203

Beitrag von Niklas » Freitag 28. November 2014, 17:54

u.A. Seite 4: Infoblatt von BBSR

Und ja, heute stellen die freilich nur Asbestfreien kram her. Aber wenn ich dran denke, wo ich täglich dem Zeug begegne. Es eignet sich halt verdammt gut als brandhemmende Abtrennung in der Hochspannungselektrik ;)

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Re: Basteln neben Sirenen: Das PA203

Beitrag von hoffendlichS3 » Freitag 28. November 2014, 19:28

Ach ich hab mich zwar geschütz (Panorama Nova mit ABEK-P3-Filter) aber im Grunde sehe ich das nicht so eng.

Mein Chef hat in der DDR auch Jahrzente da draus Dichtungen gemacht und merkt bis heute nix.
Aber nun ja weg musste die Dichtung^^
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Manometer und Schilder

Beitrag von hoffendlichS3 » Samstag 29. November 2014, 22:24

So heute habe ich die Manometer aufgehübscht und geschmiert, sowie die Schilder geputzt.

Die Manometer sind Membranfedermanometer mit einer Umlenkmechanik usw. Ich habe unten mal ein Detailfoto angehängt.
Früher waren die Membranfedern direkt mit dem Medium in Montakt, bei den neueren Manometern (wie diesen) ist noch eine
weiße Teflonscheibe untergelegt, da die Scheiben sonst regelmäßig durchgerostet sind. Dann lief das Manometer voll, die
Mechanik korrodierte und das wars dann mit anzeigen.

Die Zeiger habe ich neu Lackiert, ebenso die Gehäuse neu Lackiert und mit Klarlack drüber.
Dann noch die Scheiben geputzt, die Mechanik mit Siliconöl geschmiert. Die scheiben sind sogar echtes Glas!
Daher gehören eigendlich noch Schutzkappen über die Manometer. Diese habe ich zwar da, aber dann sind die Manometer so schlecht abzulesen.
Beim dem Überdruckmesser musste ich das Oberteil noch umsetzen, damit das Manometer beim Anziehen auch skalentechnisch gerade sitzt.

Die Schilder habe ich nur etwas geputzt.

Kennt jeman eine Firma die mir solche Schilder drucken kann? Die originalen sind ja nun doch etwas angegriffen.
Rene hatte das eine Zeit lang gemacht aber aktuell klappts irgendwie ned mehr richtig.
Dateianhänge
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Trocknen, man ist ja ungeduldig und der Lüfter läuft im Keller sowieso :-)
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Mechanik im Detail
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Aufgeschraubt das der Federteller zu sehen ist
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Offenes Manometer
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Einzelteile
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Und Manometer zusammen gebaut
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Kurzbedienungsanweisung--Kraftstoff--Wasser
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Re: Basteln neben Sirenen: Das PA203

Beitrag von HaumeiFranzP » Sonntag 30. November 2014, 11:20

Cool, die Manometer sehen aus wie neu!

Ist das Alu mit erhabenen Buchstaben? Schwarze Farbe drauf und die Buchstaben + Ränder vorsichtig mit (Naß-)Schleifpapier aufm Klotz frei schleifen. Dann sehen sie aus wie neu.
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